Geschichten sammeln

Von jemandem, der viel reist und auch sonst ziemlich abenteuerlustig ist, habe ich vor kurzem den Satz gehört, dass es doch das ist, worum es im Leben geht: Geschichten sammeln. Und in dem Moment war mir klar, dass das für mich absolut zutrifft. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass das der eigentliche Sinn meines Lebens ist. Allem was ich tue und allem was mich ausmacht liegt dieser Wunsch im Kern zu Grunde. Ob ich lese, Geschichten schreibe, reise, Ausflüge mache, Konzerte und Festivals besuche, neue Dinge ausprobieren und lerne, neue Interessen und Hobbies entdecke: Im Grunde geht es mir immer darum wieder eine weitere Geschichte in meinem Leben zu haben.e2bb9-dscn1688

Wenn ich mir plots für mögliche Romane ausdenke, sammle ich Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes. Genauso ist es, wenn ich Bücher lese und dabei Charakteren begegne, die mich lange begleiten. Das macht einen so großen Teil meines Lebens aus. Und wenn man ein Buch liest, ist es ja ein bisschen so, als würde man ein komplettes Leben oder einen Abschnitt daraus in wenigen Tagen erleben.
Mir ist es außerdem immer wichtig, Pläne zu schmieden, so dass mein Leben nicht ereignislos dahingleitet. Ich will möglichst viel aus der Zeit herausholen, die ich habe. Das bedeutet in meinem Fall nicht, dass ich ständig irgendetwas großartiges erleben muss. Wichtiger ist mir, dass ich die Dinge, die ich tue intensiv erlebe und damit Erinnerungen schaffe. Dann kann nämlich ein einfaches Theaterstück mehr bedeuten, als zum Beispiel eine Filmpremiere in LA. An “The Crucible” in London oder an “Tschick” in Regensburg werde ich mich vermutlich immer glücklich erinnern. Es sind nicht immer die größten events, die die tiefsten Spuren hinterlassen. Manchmal ist es zum Beispiel das Gespräch mit einem anderen Menschen oder ein Satz in einem Buch, was einen viel tiefer beeindruckt.
Reisen sind natürlich auch jedes Mal Einschnitte in ein Leben, die die Zeit wahrnehmbarer machen. Deswegen würde ich auch darauf nicht verzichten wollen und ich muss auch sagen, dass das Reisen das ist, was mir momentan am meisten fehlt.
Eine ganz besondere Geschichte ist es natürlich jedes Mal, wenn man ein Kind in die Welt setzt. Dann hat man eine Geschichte erschaffen, die einen nicht nur ein Leben lang begleiten wird, sondern aus der wieder viele eigene Geschichten erwachsen.
Ich bin froh, dass ich jetzt in Worte fassen kann, warum es mir so wichtig ist, mein Leben mit möglichst vielem anzufüllen, was mir etwas bedeutet und mir auch selbst klar zu machen, dass das im Grunde das einzige ist, was wirklich zählt. Kaum jemand wird sich wohl am Ende seines Lebens wünschen er hätte mehr Zeit mit Wäsche bügeln oder Böden wischen verbracht.

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