Warum Schreiben?

Manchmal frage ich mich, warum das Schreiben eigentlich seit so langer Zeit mein liebstes Hobby ist, obwohl es für mich ein zweischneidiges Schwert ist und auch Selbstzweifel und Leistungsdruck mit sich bringt. Aber wenn ich für eine Weile nicht schreiben kann, fehlt mir auch etwas. Und dann erinnere ich mich daran, dass es einfach sehr viele Dinge gibt, die ich beim Schreiben liebe und die nichts anderes ersetzen kann.

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Zunächst einmal finde ich es fantastisch, dass ich schreibend eine eigene Welt erschaffen kann. Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich halb in der Realität lebe und halb in meinem Kopf, wo sich ständig irgendwelche Geschichten entwickeln. Manchmal wundere ich mich ehrlich gesagt, dass ich in meinem Leben überhaupt gut klar komme, so viel wie ich vor mich hinträume. Nur ein Bruchteil der Gedanken die ich habe, bringe ich irgendwann zu Papier, auch wenn ich mittlerweile versuche, interessante Ideen knapp festzuhalten, da ich festgestellt habe, dass man Manches wieder in ganz anderes Zusammenhängen verwenden kann.

Auch wenn es im Alltag manchmal etwas hinderlich ist, wenn man am liebsten über erfundene Geschichten nachdenkt, anstatt sich mit dem auseinander zu setzen, was gerade erledigt werden muss, bin ich doch insgesamt froh, diese Möglichkeit zu haben. Dadurch ist einem eigentlich nie langweilig, ob auf langen Auto- oder Bahnfahrten, während Konferenzen in denen nur Dinge besprochen werden, die für einen selbst nebensächlich sind oder auf langweiligen Feiern.

Ich liebe es außerdem, mir Figuren auszudenken, oder mir für Charaktere, die mir irgendwo begegnen eine Geschichte zu überlegen. Sehr oft ist es so, dass die Figuren in meinen Geschichten von realen oder literarischen Vorlagen inspiriert sind, auch wenn sie später nicht mehr wirklich erkennbar sind (außer natürlich in fanfiction). Wenn mich also eine Person fasziniert, sie es nun im echten Leben oder ebenfalls in einer Geschichte, habe ich so die Möglichkeit, mich mit ihr gedanklich auseinander zu setze und auszuprobieren, wie sie sich in unterschiedlichen Situationen verhalten könnte.

Mir fällt es öfter schwer, mit dem Schreiben anzufangen, aber wenn ich das einmal überwunden habe, liebe ich den Prozess des Schreibens. Fast jedes Mal gerate ich dabei in einen Zustand, in dem ich gar nicht merke, wie schnell die Zeit vergeht und in dem das was ich schreibe fast wie ein Film vor meinem inneren Auge abläuft. Dann fühlt es sich gar nicht so an, als würde ich mir die Geschichte in dem Moment ausdenken, sondern eher so als müsste ich schnell einen Film niederschreiben, den ich sehe. Und trotzdem kann ich ständig Einfluss auf die Handlung nehmen und die Charaktere so reagieren lassen, wie ich es gerne möchte. Ich kann ihnen Hindernisse in den Weg legen oder ihnen etwas Gutes zukommen lassen. Und ich bin dabei völlig frei in allem was ich tue, im Gegensatz etwa zu einem Computerspiel. Diese komplette Freiheit und natürlich auch die Macht, die man über seine eigenen Figuren hat, finde ich absolut spannend.

Ein weiterer Punkt, der für mich das Schreiben so attraktiv macht ist glaube ich, dass ich ziemlich eigen bin. Ich habe nicht sehr viele Menschen bei denen ich das Gefühl habe, dass sie verstehen wie ich ticke und anders herum verstehe ich wiederum die meisten anderen Menschen nicht besonders gut. Auch wenn man es mir nach außen vermutlich nicht sehr stark anmerkt, fällt es mir oft relativ schwer zu begreifen und zu akzeptieren wie die Welt funktioniert oder dass sie überhaupt funktioniert. Das Schreiben ist denke ich für mich eine Möglichkeit mir die Welt einerseits ein Stück weit greifbarer zu machen und sie andererseits zumindest in meinen Geschichten verständlicher zu gestalten. Insoweit hilft mir diese Möglichkeit dabei, einen klare Kopf zu behalten und mit der Welt umzugehen, wo ich sonst vielleicht manchmal das Gefühl hätte, mich noch mehr abgrenzen zu müssen. Insofern ist das Schreiben für mich auch eine Art Therapie.

Wenn du auch schreibst: Was sind deine Gründe?

2 thoughts on “Warum Schreiben?

  1. Ein sehr schöner Beitrag! Die Sache mit dem Film-abschreiben kann ich sehr gut nachvollziehen… Ich wünschte manchmal, ich könnte den Umweg übers aufschreiben überspringen und Anderen direkt den Gedanken-Film zur Verfügung stellen.
    Ich schreibe aus einem weiteren Grund. Ich kann zwar nachvollziehen wie die Welt funktioniert (wenn ich will), doch oft empfinde ich die Welt als nicht besonders sinnvoll. Darum schreibe ich in der Zukunft, um zu sehen, in was sich heutige Tendenzen wohl wandeln werden UND um zu überlegen, wie die Zukunft sinnvoller aussehen könnte… Wenn wir Buchwelten erschaffen können, sollten wir ja auch auf die Realität einen (kleinen) Einfluss haben können😃

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    1. Vielen Dank für deinen langen Kommentar, ich habe mich sehr darüber gefreut. Schön zu wissen, dass es Anderen beim Schreiben ähnlich geht und den Gedanken, dass man sich wünscht, dem Leser einfach den Film zeigen zu können, der im eigenen Kopf entsteht, kann ich sehr gut nachvollziehen.
      Auch was du über deinen Grund um zu schreiben sagst, finde ich extrem spannend. Ich denke auch, dass man, indem man schreibt immer auch die Welt ein klein wenig verändern kann, sei es durch einen Wandel im eigenen denken, oder dadurch, dass man eben alternative Möglichkeiten aufzeigt. Es macht dann natürlich wirklich extrem Sinn, über die Zukunft zu schreiben.

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