Schreiben bei Zeitmangel

Fast jeder, der Schreiben als Hobby betreibt kennt wahrscheinlich das Phänomen, dass man zwischen all dem, was im Alltag auf einen einstürzt kaum die Zeit findet, sich zum Schreiben hinzusetzen. Mir ging es in meinem Leben auf jeden Fall schon oft so, besonders in Situationen, die nicht nur anstrengend waren, sondern auch das Denken belasten. Bei mir war es zum Beispiel in der Zeit meines Referendariats so, dass ich wirklich fast gar nicht schreiben konnte, weil sich meine Gedanken ständig um mal das gedreht haben, was ich noch vorbereiten und organisieren musste.

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Im Moment sieht es so aus, dass ich mir meine freie Zeit zwar extrem gut einteilen muss, da ich einjährige Zwillinge und einen Erstklässler habe, aber trotzdem fäll est mir leichter, in den kurzen freien Zeiten, die ich – meistens am Abend – habe, zu schreiben. Das liegt vermutlich daran, dass es zwar immer viel zu tun gibt, aber mein Geist, nicht so unglaublich belastet ist. Allerdings werde ich Ende April wieder anfangen zu arbeiten und mache mir schon Sorgen darüber, ob ich es dann noch schaffen werde zu schreiben. Schließlich muss ich dann wieder sehr viel planen und muss die ruhige Zeit am Schreibtisch vermutlich anders nutzen.

Da ich aber trotzdem hoffe, meinen Roman, an dem ich zur Zeit arbeite, fortsetzen zu können, bin ich schon dabei mir ein paar Strategien zu überlegen, die es mir leichter machen werden, auch dann noch zu schreiben. Diese möchte ich hier gerne teilen, denn vielleicht helfen sie dir ja auch, wenn du dich in einer ähnlichen Situation befindest.

Feste Zeiten

Wenn ich einigermaßen voraussehen kann, wie mein Tag ablaufen wird, versuche ich von vornherein feste Zeiten für das Schreiben einzuplanen. Natürlich kann es immer mal passieren, dass noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt, das lässt sich nicht ändern. Aber in diesen Zeiten hat das Schreiben Priorität, auch vor solchen Dingen, die ständig erledigt werden müssen, wie zum Beispiel Aufräumen und Hausarbeit. Ich versuche auch, mir dann nicht von meinem inneren Schweinehund dazwischen funken zu lassen. Genau wie zum Sport fühlt man sich ja zum Schreiben auch oft zu müde und trotzdem macht es Spaß, wenn man erstmal angefangen hat. Gut ist es hierbei natürlich, wenn man die Zeit für das Scheiben dann einplant, wenn man sowieso weiß, dass man sich in der Stimmung dafür fühlt. Ich schreibe zum Beispiel sehr viel lieber Abends als Morgens und freie Zeit am Morgen könnte ich nur wenig effektiv zum Schreiben nutzen.

Schreiben was man gerne schreibt

Wenn man sowieso schon wenig Zeit hat und das Schreiben ein entspannendes Hobby sein soll, ist es natürlich umso wichtiger, etwas zu schreiben, an dem man auch wirklich Spaß hat. Natürlich sollte man nie aus Zwang schreiben, aber gerade bei Zeitmangel finde ich es wichtig, ganz genau in mich hineinzuhören und mich mit dem zu befassen, was mich gerade wirklich reizt. Wenn man zum Beispiel an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet, empfiehlt es sich in solchen Stresszeiten vermutlich nicht, gerade das zu wählen, was am meisten Kopfarbeit verlangt. Vielleicht kann es sogar Sinn machen, ein kurzes leichtes Projekt, wie eine Kurzgeschichte einzuschieben, einfach um dabei zu bleiben. Und wer weiß: vielleicht komm ja etwas großartiges dabei heraus?

Ein Konzept überlegen

Mir hilft es generell unheimlich, wenn ich ein grobes Konstrukt meiner Geschichte im Kopf habe, bevor ich anfange zu schreiben, weil ich dann nicht an einen toten Punkt komme. Die Projekte, bei denen ich einfach ins Blaue hinein geschrieben habe, habe ich bisher alle abgebrochen. Das ist natürlich bei jedem anders und ich bin sicher, dass auch aus dem entdeckenden Schreiben schon großartige Werke entstanden sind. Wenn man allerdings sehr wenig Zeit hat, bietet es sich wirklich an, zu wissen wohin das Schreiben führen soll, damit man nicht immer wieder ins Stocken gerät. Schon eine sehr grobe Planung mit wenigen Notizen kann helfen. Das Gute an dieser Methode ist natürlich auch, dass man die Planung nicht am Schreibtisch machen muss. Das Planen kann auf Spaziergängen passieren, auf Autofahrten oder beim Warten an der Kasse. Ein paar Notizen sind danach schnell gemacht (ich benutze manchmal einfach die Einkaufslisten App auf meinem Handy) und man hat die Zeit sinnvoll genutzt.

Eine niedrige Wortzahl anstreben

Wenn ich schreibe nehme ich mir meist vor eine gewisse Anzahl von Wörtern zu schaffen. Oft schreibe ich pro Sitzung ca. 500 bis 1000 Wörter. Das ist vielleicht nicht besonders viel, aber für mich ist das eine gute Zahl, weil ich mich so lange auch sehr gut konzentrieren kann und nie das Gefühl habe, ich müsste ewig weiter machen. Wenn ich 1500 Wörter an einem Tag schaffe bin ich schon extrem stolz auf mich und klopfe mir selbst auf die Schulter. In Stresszeiten oder wenn ich einfach müde bin, schraube ich diese Wörterzahl runter und nehme mir meist vor nur ca. 300 Wörter zu schreiben. Das ist für mich eine gute Zahl, die ich immer schaffe. Manchmal komme ich dann ins Schreiben rein und schaffe doch noch mehr, aber wenn nicht ist das auch vollkommen in Ordnung.

Keine Vorwürfe!

Was man ganz sicher gar nicht braucht in Stressituationen sind Selbstvorwürfe. Deswegen ist einer der wichtigsten Punkte auf meiner Liste der, dass ich mir keine Vorwürfe machen darf, wenn es mit dem Schreiben mal nicht klappt und ich nicht weiter komme. Es gibt einfach Phasen im Leben da ist man zu ausgelaugt und müde, um zu schreiben und dann sollte man sich auch nicht dazu zwingen. Wie überall im Leben ist auch hier ein liebevoller Umgang mit dem Selbst das Wichtigste. Vorwürfe und Zweifel können einem schließlich jeden Spaß am Schreiben verderben. Und das wäre absolut kontraproduktiv.

Hast du weitere Tipps für mich, wie man mit dem Schreiben in stressigen Zeiten gut weiter kommt? Ich kann sie vermutlich bald sehr gut gebrauchen.

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