Wozu Schreibratgeber?

Ich gebe es zu, ich lese unglaublich gerne Schreibratgeber aller Art. Da es auf Deutsch noch nicht sehr viele gibt, greife ich meistens auf Englische zurück. Fünfzehn habe ich mittlerweile gelesen und es stehen noch mehr auf meiner Liste. Ich muss sagen, dass die ersten, die ich gelesen habe, eine Offenbarung waren und mich in meinem Schreiben sehr weiter gebracht haben. Nicht einmal, weil es die besten waren, sondern ganz einfach weil ich dort zum ersten Mal ganz essentielle Tipps bekommen habe und Dinge verstanden habe, die mir vorher nicht bewusst waren. Mittlerweile wiederholt sich vieles, denn es gibt natürlich nur eine bestimmte Menge an umsetzbaren Tipps, die den Schreibstil und Plot wirklich verbessern. Aber aus irgendeinem Grund lese ich diese immer wieder gern.

aas_wald_2017_01

Ich bin nicht der Meinung, dass es notwendig ist, Schreibratgeber zu lesen, um gut zu schreiben, denn mit Sicherheit gibt es Autoren, die von Anfang an einen eigenen Stil haben und grundsätzlich etwas richtig machen. Aber mir persönlich haben einige  Ratschläge sehr geholfen. Allen voran der Hinweis darauf, dass es sinnvoll ist, seine Geschichte in Szenen aufzuteilen. Klingt vielleicht simpel, aber bevor ich es gelesen hatte, war mir nicht bewusst, wie viel angenehmer es ist zu schreiben und auch zu lesen, wenn sich Szene an Szene reiht, ohne dass man lange Überleitungen und Zwischenstücke schreiben bzw. lesen muss, in denen sowieso nur Redundantes passiert.  Das Strukturieren eines Romans ist wirklich etwas, das man sich gut aneignen kann und wird zum Beispiel in K.M. Wielands „Structuring your Novel; Essential Keys for writing an Outstanding Story“ erläutert. Wielands Ratgeber war einer der ersten, die ich gelesen habe und für mich ein wirklicher Augenöffner.

Was den deutschen Markt betrifft kann ich Hans Peter Roentgens „Vier Seiten für ein Hallelujah“ sehr empfehlen. Er ist selbst Lektor und zeigt anhand von Beispielen sehr gut, wie man die ersten vier Seiten einer Geschichte so verbessern kann, dass der Roman für einen Verlag interessant wird. Denn sehr oft entscheidet eben der Anfang über das Schicksal eines Werks auf dem Buchmarkt. Roentgen macht deutlich, wie man einen Anfang gestalten muss, um den Leser zu fesseln und neugierig zu machen. Es sind tatsächliche Anfänge von Romanen abgedruckt und Roentgen bespricht deren Stärken und Schwächen,  so dass seine Tipps sehr anschaulich sind. Viele davon kann man natürlich nicht nur auf den Anfang anwenden, sondern auch auf das gesamte Manuskript.

Was man in einem Buch über das Schreiben sehr viel weniger gut vermitteln kann sind meiner Meinung nach Techniken um eine Figur interessant zu gestalten. Zwar habe ich auch bereits einen Eintrag darüber verfasst, was ich an Charakteren liebe, aber die Elemente die eine gute Figur ausmachen sind so vielseitig. Oft steht einem gerade ein Charakter nahe, den der Autor gar nicht als Symathieträger gedacht hat, dass man keine einheitlichen Parameter nennen kann, die einen Charakter dem Leser näher bringen. Natürlich gibt es dennoch einige Strategien, die man verwenden kann und diese sind in Nancy Kress‘ „Character, Emotion and Viewpoint“ anschaulich und mit Beispielen erläutert.

Ein weiteres Element, das mir in meinen eigenen Geschichten sehr wichtig ist, sind Dialoge. Leider ist auch das wieder etwas, das Schreiber oft intuitiv richtig machen und das man schlecht erlernen kann. Natürlich hilft es, Dialoge zu überarbeiten und sich klar zu machen, dass ein Dialog innerhalb eines Romans anders aufgebaut ist, als es ein Dialog in der realen Welt wäre. Aber dieses Wissen hilft einem leider nicht dabei, gute und interessante Dialoge zu verfassen. Ein paar nützliche Tipps finden sich dennoch in William C. Martells „Dialogue Secrets“. Ich muss allerdings sagen, dass nicht alle davon für mich anwendbar waren. Mir nützt es zum Beispiel nichts, auf Dialoge in meiner Umgebung zu hören und diese in Geschichten zu verwenden, da ein Dialog für mich aus der Geschichte heraus entstehen muss. Sonst wirkt mir das Gespräch zu aufgesetzt.

Eine Reihe die ich absolut liebe sind die Schreibratgeber von Chuck Wendig, zum Beispiel „250 Things you should know about writing“. Schon die direkte und stellenweise vulgäre Sprache hebt Wendigs Ratschläge von denen anderer Autoren ab. Seine Bücher zu lesen während man an einem Roman arbeitet fühlt sich ein bisschen so an, als würde jemand neben einem stehen und einem immer mal einen Tritt in den Hintern verpassen, wenn man sich davor drückt an den Schreibtisch zu gehen. Und genau so etwas braucht man ja manchmal.

Wenn ich nur einen einzigen Ratgeber empfehlen dürfte, wäre es wohl James Scott Bells „Revision and Self Editing“ Ich weiß nicht wie es dir geht, aber mir fällt es sehr viel leichter zu schreiben als mein Werk anschließend zu editieren, auch wenn mir absolut bewusst ist, dass das Editieren genauso wichtig ist, wie das Schreiben an sich. Aber ein flow Erlebnis, habe ich dabei nicht, sondern es ist für mich harte Arbeit, die eine unglaublich hohe Konzentration benötigt. Meinen Fantasy Roman „Der dreizehnte Prinz“ habe ich innerhalb von fünf Monaten geschrieben und editiere ihn mittlerweile mit Unterbrechungen seit über zwei Jahren. Bell gibt wirklich eine gute Hilfestellung und eine ganz genauer Anleitung, wie man den Prozess des Editierens überhaupt angehen sollte, damit man sich nicht vollkommen verzettelt und Teile immer wieder überarbeiten muss.

Eine sehr gute Zusammenfassung der wichtigsten Elemente des guten Schreibens gibt auch Sol Stein in seinem „On Writing“. Ich muss sagen, dass es mir hier manchmal nicht so gut gefallen hat, dass Stein seine Methoden als die einzig richtigen darstellt, aber natürlich ist er als Lektor Meister seines Faches und hat viele Bestseller editiert. Er hat absolut das Recht sich seiner Sache sicher zu sein. Hilfreich fand ich hier vor allem die Anleitung dazu seinen Roman selbst zu editieren. Auch der Tipp sein Manuskript von unnötigem Ballast, wie Füllwörtern, Adjektiven und Adverben zu befreien war für mich sehr hilfreich.

Zurzeit lese ich „On Writing“ von Stephen King, ein Autor, den ich sehr schätze, und ich liebe seine biografischen Betrachtungen über das Schreiben. Dazu möchte ich aber ein eigenes Review auf diesem Blog verfassen.

Ich glaube zu einem Teil lese ich Schreibratgeber deswegen so gern, weil ich mich dadurch passiv mit dem Thema Schreiben auseinander setzen kann. Ich befasse mich mit meinem liebsten Hobby, ohne selbst kreativ werden zu müssen, was ja auch manchmal anstrengend ist. Natürlich lernt man nur wirklich dazu, wenn man selbst schreibt. Learning by doing sozusagen und das steht auch in fast jedem Ratgeber als wichtigster Tipp. Dennoch muss ich auch sagen, dass ich immer mal wieder auf neue Ratschläge stoße, die für mich Gold wert sind und bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mein Schreiben sofort effektiv verbessern.

Wie geht es dir? Findest du Schreibratgeber sinnvoll oder stehen sie der Individualität eines Autors eher im Wege? Gibt es einen Ratgeber, den du mir empfehlen kannst?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s