Die Magie des Editierens

Ich habe mit Absicht einen so positiv klingenden Titel für diesen post gewählt, denn wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mir das Editieren sehr schwer. Im Gegensatz zum Schreiben ist es ein Prozess bei dem ich immer hochkonzentriert sein muss und der mir manchmal regelrecht Kopfschmerzen bereitet. Dank einiger Ratgeber weiß ich mittlerweile besser was zu tun ist und fühle mich nicht mehr so hilflos. Auf der anderen Seite gibt es so viele Dinge, auf die man achten muss, dass mir manchmal der Kopf schwirrt und ich muss zugeben, dass ich das perfekte System für mich noch nicht gefunden habe.

Genaus aus diesem Grund möchte ich heute diesen Blogpost zum Thema verfassen, da ich hoffe, dass er mir hilft zu verstehen was es genau ist, das mir so schwer fällt und mich vielleicht etwas besser zu strukturieren, so dass es in Zukunft einfacher wird. Vielleicht hilft mein Gedankenprozess ja dem Ein oder Anderen ebenfalls weiter. Bevor ich näher auf das Thema eingehe möchte ich nur noch sagen, dass mir absolut bewusst ist, dass das Editieren ein wichtiger und notwendiger Prozess ist, dem man nicht aus dem Weg gehen kann, wenn man das Schreiben ernst nimmt. Selbst wenn man nicht oder nur im Internet veröffentlichen möchte schuldet man es seinen Lesern und sich selbst schließlich, den bestmöglichen Text zu liefern.

Ich es hat auch etwas mit Unsicherheit zu tun, dass mir das Editieren nicht leicht fällt. Denn schließlich setzt man sich dabei intensiv mit dem auseinander, was man geschrieben hat. Beim bloßen Lesen fallen einem manche Schwächen nicht sofort ins Auge, aber wenn man den eigenen Text genau unter die Lupe nimmt, entdeckt man natürlich grobe Patzer. Wenn es sich da nur um einen etwas langwierigen Dialog hier oder eine unnötige Szene da handelt, ist das ja kein Problem. Anders sieht es natürlich aus, wenn einem große Lücken im plot auffallen, oder eine Figur, die völlig gegen ihren Charakter handelt. Natürlich muss man sich dann sagen, dass es sehr viel besser ist, wenn einem diese Schwächen selbst auffallen, als wenn es später Leser sind, die dadurch abgeschreckt werden. Und die Erfahrung zeigt auch, dass sich so gut wie alles noch so verändern lässt, dass es wieder Sinn macht.

Natürlich gibt es auch Dinge, die mir beim Editieren wirklich Spaß machen. Zum Beispiel mag ich es, mich mit Szenen ganz intensiv zu beschäftigen und sie zu verbessern (oder es zumindest zu versuchen), denn während ich schreibe, halte ich mich meist nicht zu lange an einer Szene auf, sondern versuche eher die Geschichte, die ich vor mir sehe so schnell wie möglich zu Papier zu bringen. Dann ist es ein gutes Gefühl, wenn man Zeit hat, um unterschiedliche Wörter und Sätze auszuprobieren und so lange zu feilen, bis es passt. Zu versuchen, einem Charakter mehr Tiefe und Individualität zu verleihen macht mir auch Spaß.

Sol Stein empfiehl in seinem Schreibratgeber „On Writing“ eine dreischrittige Methode, die man anwenden soll, bevor man mit dem eigentlichen Editieren Seite für Seite anfängt, damit man nicht immer wieder von vorne anfangen muss. Zunächst rät er einem, die schwächste Szene zu streichen. Wenn das passiert ist, soll man herausfinden, welches jetzt die schwächste Szene ist und überlegen, ob man diese nicht ebenfalls streichen kann. Es macht für mich Sinn, dass der ganze Roman stärker wird, wenn man überflüssiges Material entfernt. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres für einen Leser als wenn sich eine Geschichte unnötig in die Länge zieht.

Als nächstes rät er einem, den Protagonisten und auch Nebenfiguren mehr Tiefe zu verleihen, indem man ihnen Eigenschaften gibt, die sie von der Masse abheben. Und zuletzt sieht er es als wichtig an, den Antagonisten zu stärken, so dass er nicht nur zu einer wirklich wahrnehmbaren Bedrohung wird, sondern ebenfalls Persönlichkeit hat.

Zwar stimme ich zu, dass das drei sehr wichtige Schritte sind, wenn nicht vielleicht sogar die wichtigsten. Allerdings sehe ich kaum einen anderen Weg, als auch hierfür große Teile des Manuskripts noch einmal zu lesen und zu überarbeiten. Stein meint nämlich, dass man das eigene Manuskript nicht zu oft lesen darf, da es sonst automatisch irgendwann langweilig wird.

In den meisten Schreibratgebern wird auch geraten, das Manuskript einige Zeit nach dem Schreiben liegen zu lassen, damit es sacken kann und es dann auszudrucken, um mit dem Editieren zu beginnen. Zwar mache ich das immer so und finde es auf gewisse Art auch gut, die Seiten physisch vor mit zu haben, aber andererseits finde ich es auch enorm anstrengend, die Verbesserungen, die ich dort vorgenommen habe, dann in mein Manuskript auf dem Computer zu übertragen. Es würde mich wirklich mal interessieren, wie du zu dieser Methode stehst? Druckst du deine Texte auch aus, um sie zu editieren?

Ich denke man sollte seine Geschichten immer erst mindestens einmal selbst überarbeiten, bevor sie überhaupt jemand anders liest, halte es aber auch für sehr wichtig, feedback von außen zu bekommen und daraufhin noch einmal Veränderungen vorzunehmen. Ich bin meinen Schwestern auf jeden Fall sehr dankbar dafür, dass sie bei meinen Romanen und auch bei fanfictions als Testleser herhalten.

Ich habe schon sehr oft gelesen, dass man beim Editieren am meisten über das Schreiben lernt und ich glaube, das kann ich bestätigen. Auch wenn das Editieren für mich also harte Arbeit ist, weiß ich gleichzeitig absolut zu schätzen, wie sehr mich dieser Prozess weiterbringt.

Wie geht es dir? Bist du jemand, der das Editieren genießen kann oder ist es auch eher ein Kampf?

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