Im Zweifel für den Zweifel?

Selbstzweifel. Manchmal frage ich mich ob jeder Autor sie kennt oder ob es auch ein paar Glückliche gibt, die einfach davon verschont bleiben. Dann wiederum mache ich mir Gedanken darüber ob Selbstzweifel in manchen Situationen vielleicht sogar wichtig sind und einen voranbringen? Oder stellen sie sich einem nur in den Weg wie eine Mauer, die irgendwann unüberwindlich wird? 

Natürlich gibt es auch andere Bereiche im Leben, in denen man Selbstzweifel haben kann, aber ich bin generell recht selbstsicher. Und natürlich hat man die schlimmsten Zweifel immer auf den Gebieten, die einem auch am wichtigsten sind. jede Rose hat eben ihre Dornen.

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Vorweg muss ich sagen, dass ich Selbstzweifel habe, seit ich regelmäßig schreibe und im Internet veröffentliche. Damit habe ich mit zwanzig angefangen. Also sind es mittlerweile ca. 16 Jahre, die ich mit Unterbrechung durch das Referendariat das Schreiben als größtes Hobby habe. Langsam sollte mir also vermutlich klar sein, dass ich das Schreiben brauche und auch nicht damit aufhören würde. Selbst wenn ich viele Dinge nur für mich selbst oder einen sehr kleinen Kreis von Leuten schreibe, wird mich diese Beschäftigung vermutlich mein Leben lang begleiten. Und obwohl ich das eigentlich von Kopf her weiß, kommt mir immer mal wieder der Gedanke, ob es nicht eigentlich Zeitverschwendung ist und ich es besser lassen sollte, wenn ich es doch sowieso nicht schaffe genau das auszudrücken, was ich eigentlich sagen möchte. 

Als Teenager habe ich auch schon relativ viel geschrieben, aber damals hatte ich immer das Gefühl, dass ich das auch gut mache. Zwar hatte ich nicht immer Lust, aber Zweifel standen mir damals nicht im Weg. Schade eigentlich, dass man diese Unbeschwertheit irgendwann verliert.

Ich weiß noch, dass ich damals als ich meine erste Harry Potter fanfiction veröffentlicht habe, fieberhaft auf jedes Review gewartet habe, weil ich wissen wollte, ob das was ich schreibe überhaupt jemand liest. Manchmal war das schon ganz schön anstrengend, so auf feedback angewiesen zu sein und ich bin froh, dass es mir heutzutage vor allem darum geht etwas zu schreiben, das mir selbst Spaß macht. Auch wenn ich mich immer noch über jedes Review und alle “likes” freue. 

Von Selbstzweifeln bleibe ich trotzdem nicht verschont, denn dabei geht es ja eher darum ob das, was man verfasst einem selbst gut genug ist. Oft bin ich dann mit mir selbst strenger als ich es mit anderen Autoren wäre, wobei ich auch sagen muss, dass ich manchmal Sätze lese oder Anfänge von Geschichten, die ich geschrieben habe und nur den Kopf schütteln kann über das, was ich da verzapft habe. Auf der anderen Seite gibt es auch Sachen, die mir mit etwas Abstand gut gefallen. Zum Glück, denn sonst würde ich vermutlich wirklich den Spaß verlieren.

Mittlerweile schaffe ich es meistens mir zu sagen, dass Selbstzweifel wirklich nur dann sinnvoll sind, wenn man dafür sorgt, dass sie einen auch weiterbringen. Zunächst einmal überlege ich dann, woher sie kommen. Dem Gefühl, dass ich mit dem Schreiben lieber ganz aufhören sollte, versuche ich gar keinen Raum mehr zu geben, weil ich weiß, dass ich sowieso spätestens in ein paar Monaten wieder in irgendeiner Form damit anfange. Wenn sich meine Zweifel auf etwas Bestimmtes an meinem momentanen Projekt beziehen, zum Beispiel die Darstellung eines Charakters oder auf den plot (das ist ehrlich gesagt meistens der Fall), versuche ich zu überlegen ob sie begründet sind. Und wenn ja, dann beschäftige ich mich lieber mit dem Gedanken, wie ich diesen konkreten Mangel in Ordnung bringen kann. In der Theorie klingt das toll, aber in der Realität klappt das natürlich nicht immer so gut und schnell. 

Was ich aber auf jeden Fall festgestellt habe ist, dass es immer gegen meine Selbstzweifel hilft, wenn ich weiterschreibe. Manchmal muss ich mich wirklich an den Schreibtisch zwingen und habe regelrecht Angst davor, die letzten Sätze meines Projekts zu lesen. Manchmal fühlt es sich an als würde ich eine halbe Seite lang den größten Bockmist verzapfen. Dann fühle ich mich als würde ich durch eine Wüste wandern, die sich endlos vor mir ausbreitet. Aber ich weiß, dass es nach ein paar hundert Worten besser wird. 

Insgesamt glaube ich ehrlich gesagt, dass ich ohne Selbstzweifel sehr viel besser dastünde. Das muss ja nicht gleich heißen, dass man unkritisch gegenüber sich selbst wird. Deshalb nehme ich mir vor weniger Zweifel zuzulassen und mich lieber darauf zu konzentrieren, wie viel Spaß mir das Schreiben macht.  Passend dazu habe ich neulich ein Zitat gelesen:

Start writing, no matter what. The water does not flow until the faucet is turned on.

(Louis L’Armour)

Wie sieht es bei dir aus? Kennst du auch Selbstzweifel was das Schreiben angeht? Oder gehörst du zu den glücklichen Menschen, die davon verschont bleiben?

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