Ein bisschen seltsam

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ganz ich selbst sein könnte, wenn ich nicht schreiben könnte. Ich schreibe nicht ständig, nicht ein Buch nach dem Anderen und es gab immer schon Phasen in meinem Leben, in denen ich nicht geschrieben habe. Aber ganz ohne diese Möglichkeit zu leben stelle ich mir schlimm vor. Dennoch rede ich in meinem realen Leben relativ selten über das was ich schreibe.

So zu leben wie es sich für mich richtig anfühlt und mich dabei möglichst wenig von den Meinungen Anderer beeinflussen zu lassen, ist für mich ein sehr wichtiges Thema und ich versuche immer noch zu oft, mich anzupassen oder dazuzugehören.

Ich habe eigentlich schon immer das Gefühl gehabt, dass mich die meisten Menschen etwas seltsam finden würden, wenn ich mich wirklich komplett so gebe, wie ich innerlich fühle und denke. Früher habe ich mal gedacht, dass es dan

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n besser ist, möglichst wenig davon nach außen zu tragen, weil man es dadurch deutlich leichter hat, mit Anderen auszukommen. Irgendwann ist mir dann aber klargeworden, dass ich die komplett falschen Menschen anziehe, wenn ich mich verstelle. Zwar hatte ich es dann relativ leicht, neue Bekanntschaften zu machen und Gruppen zu finden, aber mir entgingen die Menschen, die ich wirklich interessant fand und mit denen ich mich gut unterhalten konnte.

Auch heute möchte ich nicht alles was mich beschäftigt und was mir wichtig ist, mit jedem teilen. Das muss ja auch nicht unbedingt sein, denn es hat für mich sehr wenig Sinn, mich mit jemandem, der dafür überhaupt keinen Sinn hat über fanfiction zu reden oder Menschen, die selbst ungern lesen, mit den Büchern zu langweilen an denen ich schreibe. Aber zwischen den zwei Extremen sich komplett zu verstecken und alles von sich zu teilen gibt es ja einen Mittelweg.

Oft findet man ja auch erst nach und nach heraus, dass man jemand anderem auf irgendeiner Ebene enger verbunden ist, als man es zuerst dachte. Ich habe inzwischen etwas, das ich den Zombie-Apocalypse Test nenne. Klingt seltsam, ist aber leicht durchführbar. Wenn ich jemand anderem erzähle, dass ich für die Zombie Apocalypse vorplane und deswegen Gemüse im Garten anbaue und stets sicherstelle, dass der Gartenzaun stabil ist und der Andere hält mich nicht für komplett bescheuert, dann hat er den Test bestanden und ich kann auch über andere Dinge reden, die mich beschäftigen. Lustigerweise haben bisher alle meine wirklich engen Freunde den Test bestanden, selbst die, die mit Zombies nicht viel am Hut haben. Es ging vielmehr darum zu verstehen, dass es manchmal eben auch Sinn macht über den Tellerrand der Realität zu schauen und auch mal über etwas nachzudenken, was vielleicht sein könnte und nicht nur über das, was ist.

Auch wenn ich meine Überzeugungen nicht verraten würde ist es für mich in Ordnung weiterhin gewisse Dinge aus meinem Leben nicht mit Arbeitskollegen oder Bekannten zu teilen. Dabei geht es mir nicht darum, mich zu verstellen, sondern eher das zu schützen was mir wichtig ist und was jemand anderer vermutlich nicht verstehen würde. Trotzdem versuche ich immer authentischer zu sein und dazu zu stehen, dass ich vielleicht ein wenig verrückt bin, dass ich mich mehr in andere Welten hineindenken kann, als es für die meisten vielleicht normal erscheint. Schließlich sagte schon Nietzsche: „Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“

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