Schreiben mit Job und kids

Ich will nicht leugnen, dass es manchmal zum Verzweifeln ist. Den ganzen Tag freut man sich auf das Schreiben am Abend, wenn endlich alle im Bett sind und man ein, zwei Stunden für sich hat, um sich in Ruhe vor den PC zu setzen. In der Freistunde macht man sich ein paar Notizen zu einem Dialog, auf der Autofahrt nach Hause fällt einem ein toller Anfangssatz für das nächste Kapitel ein, oder gar ein ganzer Handlungsstrang, der absolut Sinn macht und der Geschichte noch mehr Tiefe gibt. Während

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man Abendessen für die kids macht denkt man darüber nach ob man sich heute vornimmt wie gewohnt mindestens 300 Wörter zu schreiben oder ob man mal aufs Ganze geht und das Minimum auf 500 oder gar auf 1000 hochsetzt.

Und dann kommt der Abend und einer aus der Rasselbande ist einfach nicht ins Bett zu bekommen. Oder wacht wieder auf in dem Moment in dem man das Dokument geöffnet und die ersten drei Wörter getippt hat. Oder, fast genauso frustrierend: man hat wirklich mal einen Abend Ruhe, schafft es aber bei aller Willensstärke und allen Schreibratgebern, die predigen wie wichtig das regelmäßige Schreiben ist nicht, sich noch einmal von der Couch zu erheben. Es fühlt sich an, als sei man festgewachsen und ist nur noch in der Lage die momentane Serie der Wahl auf Netflix zu starten.

Nein, eigentlich will ich nicht jammern. Ich habe als Lehrerin für die Fächer Deutsch, Englisch und Darstellendes Spiel einen Job den ich wirklich mag an einer Schule an der ich mich sehr wohl fühle. Meine drei kids (mein Sohn ist 7, meine Zwillinge fast 2) treiben mich zwar regelmäßig in den Wahnsinn aber ich liebe sie über alles und möchte sie niemals hergeben. Und dennoch wünsche ich mir manchmal wie früher einfach mal ein ganzes Wochenende Zeit zum Schreiben zu haben oder bis in die Nacht schreiben zu können ohne es am nächsten Morgen zu bereuen, weil die Energien einfach nicht ausreichen. Eigentlich gehöre ich nämlich zu den Schreibern, die sich zwar erstmal eine ganze Weile aufraffen müssen um anzufangen, dann aber schwer wieder aufhören können. Und das ist mit meiner momentanen Lebenssituation nicht so besonders gut zu vereinbaren. Dazu kommt noch, dass ich schon immer eigentlich nur Abends schreiben konnte. Ich brauche das Gefühl, dass es das Letzte am Tag ist, das ich tun werde und danach keine Aufgaben mehr auf mich warten. Ich habe wirklich schon öfter versucht, das zu ändern aber Morgens bin ich einfach weniger kreativ und produktiv. Da erledige ich dann lieber praktische Dinge wie Haushalt oder das Korrigieren von Arbeiten. Mein Gehirn braucht einfach den Abend oder die Nacht, um sich wirklich in meine Geschichten hineinfinden zu können.

Manchmal kommt es also vor, dass ich wirklich frustriert bin, weil ich es nicht schaffe, das zu Papier zu bringen, das mir im Kopf herumschwirrt oder sogar so von Job und Kindern eingenommen bin, dass ich noch nicht einmal Ideen haben.

Auf der anderen Seite ist es aber nüchtern betrachtet so, dass ich gar nicht unbedingt weniger geschrieben habe, seit meine Kinder da sind. Meinem Roman „Der dreizehnte Prinz“, den ich zurzeit noch editiere, habe ich verfasst alt Raphael vier Jahre alt war und seit die Kleinen auf der Welt sind, habe ich einen Jugendroman geschrieben, der nur noch überarbeitet werden muss. Es ist also eher so, dass sich mein Schreibverhalten geändert hat. Früher habe ich mehr fanfiction geschrieben und bei Rollenspielen mitgeschrieben. Und eigentlich finde ich es nicht schlecht, dass ich mich jetzt eher den Original Geschichten widme, auch wenn es mir fehlt, nicht mehr sofort feedback dafür zu bekommen.

Ich schaffe es auf keinen Fall, jeden Tag zu schreiben. Nicht einmal jede Woche oder jeden Monat wenn ich ganz ehrlich bin. Aber wenn ich einmal eine Schreibphase habe und ein Projekt mich fesselt, zieht es mich doch noch immer jeden Abend vor den PC. Außerdem sage ich mir, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt und jetzt ist für mich eben die Zeit, das Leben mit der Familie in den Vordergrund zu stellen. Ich bin allerdings auch froh, dass das für mich nicht bedeuten muss das Hobby an dem mir am meisten liegt ganz aufzugeben.

Wie ist es bei euch? Habt ihr momentan eine Phase in eurem Leben wo das Schreiben an erster Stelle stehen kann? Tut es das vielleicht sowieso nicht? Oder müsst ihr ebenfalls andere Prioritäten setzen und hättet gerne mehr Schreibzeit?

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