Geschichten zu Ende bringen

Wie in meinem letzten post bereits beschrieben, ist es für mich meist kein Problem, einen Einfall für eine neue Geschichte zu haben. Wenn mir ein Einfall besonders gut gefällt, freue ich mich auch immer sehr darauf, mit der Geschichte anzufangen und kann es dann oft kaum abwarten, bis ich meine anderen Geschichten zu Ende gebracht habe.aas_2018_september01

Das birgt natürlich eine gewisse Gefahr, denn zumindest mir geht es so, dass es mir deutlich leichter fällt, einen Anfang für eine Geschichte zu finden, als diese abzuschließen. In vielen Schreibratgebern kann man lesen, dass es sehr wichtig ist das, was man anfängt, auch abzuschließen und in diesem Fall stimme ich absolut zu. Eine Geschichte, die kein Ende bekommen hat, lässt einen meiner Meinung nach auch nie ganz los.

Ich spreche aus Erfahrung, denn so ging es mir mit meiner endlos langen Harry Potter fanfiction, die ich im Jahr 2001 angefangen habe. Erst wurden meine updates sporadischer, schließlich lagen Jahre dazwischen und letztendlich glaubte ich selbst schon, dass ich ganz aufgegeben habe. Bis ich mich Anfang dieses Jahres dazu entschlossen habe, sie fertig zu schreiben, koste es, was es wolle. Und tatsächlich habe ich es geschafft, mir die gesamte Geschichte nochmal durchzulesen und die letzten Kapitel zu schreiben. Sie ist also nach 15 Jahren doch noch beendet worden. Ich muss sagen, dass ich darauf ein wenig stolz bin, vor allem, da es immer noch Leser gibt, die ich ungern mit einem offenen Ende enttäuschen wollte.

Natürlich gibt es auch Geschichten bei denen man irgendwann merkt, dass sie ins Leere laufen und vielleicht einfach nicht weiter geschrieben werden sollen. Aber dieses Mammutwerk von fanfiction hat mir immer noch viel bedeutet und darum bin ich froh, es zu einem Abschluss gebracht zu haben. Ich habe mir aber auch vorgenommen, alle Geschichten, die ich veröffentliche zu Ende zu bringen. (Eine Ausnahme wäre es vielleicht wenn eine Geschichte wirklich niemanden interessiert und ich deswegen die Motivation verliere).

Deswegen möchte ich heute darüber nachdenken, warum es eigentlich schwieriger ist ein Ende zu schreiben, als einen Anfang. Zunächst einmal ist es natürlich so, dass einem das Loslassen schwerfällt. Die Charaktere wachsen einem ans Herz, man fühlt sich in der Welt zuhause oder findet es zumindest interessant darüber zu schreiben. Deswegen neigt man manchmal dazu, noch nee Stränge anzufangen, als sich langsam dem unausweichlichen Ende zu nähern. Dies kann man vermeiden, indem man irgendwann bewusst entscheidet, dass es Zeit ist, die Stränge zusammenzuführen und einen Schlusspunkt hinter das letzte Wort zu setzen. Einfacher ist das natürlich, wenn man von Anfang an einen festen Plan hatte, wann die Geschichte enden soll. Dies ist bei mir meist der Fall, auch wenn sich der Plan während des Schreibens manchmal ändert.

Zweitens habe ich sehr fot das Gefühl, dass ich es nicht schaffen werde, alles zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen. Das liegt vermutlich daran, dass ja nur die Geschichte endet, das Leben der meisten Figuren darüber hinaus jedoch weitergehen soll. Deswegen hat man immer das Gefühl, dass man nicht wirklich einen Abschluss schreibt. Wichtig ist es hierbei zu bedenken, dass es nicht schlimm ist, wenn nicht alles komplett aufgeklärt wird und alle Probleme gelöst sind. Zwar bin ich kein fan von offenen Enden, weil mir das immer das Gefühl gibt, der Autor lässt einen allein zurück und zieht sich aus der Schlinge, aber ich mag es durchaus, wenn man das Gefühl hat, das nicht alles bis ins Letzte entschieden ist. Man hat die Figuren so lange begleitet und denkt dann auch gerne noch darüber nach, wie es mit ihnen weitergehen könnte. Aus dem gleichen Grund mag ich es nicht, wenn der Protagonist am Ende stirbt. Ich fühle mich dann immer um die Geschichte betrogen.

Eine weitere Schwierigkeit ist natürlich, dass man im Prozess des Schreibens unmöglich alles behalten kann, was man in die Geschichte hat einfließen lassen. Mir macht es dann manchmal Angst zu denken, dass ich vergesse wichtige Fragen zu beantworten oder etwas unlogisch ist. Allerdings wird einem das ja spätestens beim Editieren auffallen und man kann es beheben. Deswegen ist es auch das Beste erstmal ein vorläufiges Ende zu schreiben, das man dann später noch anpassen und verändern kann.

Vor allem darf man nicht zu viel Respekt davor haben, das Ende zu schreiben. Zwar heißt es immer, dass das Ende ganz besonders gut sein muss, damit Leser weiter interessiert bleiben und vielleicht ach noch andere Bücher oder Geschichten des Autors lesen, aber wenn mir ein Buch sehr gut gefallen hat, dann bleibt mir die ganze Geschichte im Sinn und nicht nur das Ende.

Hier einige Bücher, deren Enden mich besonders beeindruckt haben: Benjamin Alire Saenz „Aristotle and Dante Discover the Secrets oft he Universe“, Christopher Isherwood „A Single Man“, Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ Orson Scott Card „Ender’s Game“ Philipp K. Dick „A Scanner Darkly“

Gibt es Bücher, bei denen euch das Ende besonders gefällt?

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