Rezension: Kintsugi

Kintsugi nennt sich die alte japanische Kunst, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Ein wunderbarer Titel für ein Buch, in dem es um menschliche Beziehungen geht, um die Unmöglichkeit einander nicht zu verletzen, obwohl man sich liebt.cover_kintsugi

Max und Reik, seit zwanzig Jahren ein Paar und von allen um die Harmonie in ihrer Beziehung beneidet, verbringen ihren Jahrestag in ihrem Haus am See. Doch ihre Beziehung hat unsichtbare Risse bekommen und beide fühlen sich auf eine Art eingeengt, die sie nicht in Worte fassen können.

Begleitet werden sie von Reiks besten Freund Tonio und dessen Tochter Pega. Unter den Charakteren entwickelt sich sehr bald eine unheimliche Spannung, denn jeder trägt ein mehr oder minder gut gehütetes Geheimnis mit sich herum, das das so stabil wirkende Geflecht von Beziehungen ins Wanken bringen kann.

Die vier Teile des Buches werden jeweils aus der Perspektive eines Charakters erzählt, durch dessen Blick auch die anderen drei jeweils eine neue Dimension bekommen. Mir hat diese Erzählweise unheimlich gut gefallen, auch wenn ich die Teile, die aus Max’ und Reiks’ Sicht erzählt wurden sehr viel ungewöhnlicher und spannender fand als die aus Tonios und Pegas Sicht.

Äußerst einfühlsam beleuchtet die Autorin, wie es sein kann, dass Liebe, auch wenn sie nicht verschwindet manchmal dazu beiträgt, dass man das Gefühl bekommt, den Anderen gehen lassen zu müssen.

Max’ Persönlichkeit hat mich dabei besonders interessiert und die Art, wie er sich immer wieder zu verändern scheint, je nachdem wer ihn gerade betrachtet, auch wenn er von den vieren am meisten gefestigt zu sein scheint.

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Photo by Jessica Lewis on Pexels.com

Auch die Elemente japanischer Kultur, die sich im Roman wiederfinden haben mich sehr fasziniert. Die Beschreibungen der Teezeremonie, die Titel der Abschnitte, die japanische Begriffe sind.

Kühmels Sprache ist unaufgesetzt aber doch neu. Sie erzeugt bisher unbekannte Bilder, so dass man den Charakteren wirklich sehr nahekommt und sich in ihren Handlungen, Gedanken und Ängsten wiederfindet.

Mich hat das Buch tief berührt und ich warte sehnsüchtig auf weitere Werke der Autorin.

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