Corona Blues

Ich will es gar nicht abstreiten, dass ich es im Augenblick auch öfter habe: dieses Gefühl von Lethargie und Hilflosigkeit, das einen angesichts der momentanen Situation wirklich leicht überkommt. Ich vermisse es mittlerweile, meine Familie und meine Freunde zu sehen und auch wenn ich generell eher introvertiert bin und nicht ständig Unterhaltung brauche, fehlt es auch mir Restaurants, Kinos und Theater zu besuchen oder auch einfach nur durch einen Buchladen zu bummeln.

hand touching glass
Photo by Josh Hild on Pexels.com

Aber ich sehe ein, dass die Maßnahmen sinnvoll sind und bin natürlich weiterhin dankbar, dass ich zu Hause sein darf. Ich habe mir auch schon verschiedene Projekte vorgenommen, merke aber, dass es nicht immer leicht ist, sich dafür zu motivieren. Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass der Trip zum Supermarkt sich inzwischen schon wie eine Unternehmung anfühlt.

Die kids sind zumindest noch immer meistens gut gelaunt und ich war noch nie dankbarer für unseren Garten. Die Zwillinge haben sich gegenseitig, während mein Älterer seine Freunde inzwischen sehr vermisst. Immerhin freut er sich über die verlängerten Schulferien.

Ich muss aber sagen was das Schreiben angeht, hat mich die Ausgangssperre eher aus einem Tief herausgeholt. Dadurch, dass ich nicht mehr unterrichte, fallen natürlich auch einige Verpflichtungen, wie Korrekturen oder Vorbereitung weg. Zwar betreue ich die Schüler von Zuhause, die Zeitersparnis ist für mich persönlich aber doch groß und natürlich kann ich mir meine Zeit jetzt noch freier einteilen.

Außerdem habe ich ein paar Dinge, die mir helfen diese Situation einerseits gut durchzustehen und andererseits Motivation für das Schreiben zu finden. Diese möchte ich gerne mit euch teilen.

Zunächst einmal bin ich am Anfang der Quarantäne der Schreibgruppe „Feder und schwer“ beigetreten, die auf Grund der momentanen Situation ihre Treffen online auf discord anhält. Es war meine erste Schreibgruppe, abgesehen von den Seminaren für kreatives Schreiben, die ich an der Uni besucht habe, und ich habe sofort gemerkt, wie sehr es mich motiviert, mich mit anderen über das Schreiben auszutauschen. Die Treffen laufen so ab, dass es entweder freie Vorleserunden gibt, in denen man beliebige Texte vorlesen kann und dann ein feedback dafür bekommt, oder es gibt Runden zu festen Themen, wie z.B. Charaktererschaffung, Dialoggestaltung, Umgebungsbeschreibung. Hierzu gibt es Informationen und Arbeitsblätter und natürlich auch einen Austausch innerhalb der Gruppe. Außerdem gibt es meist kleine Schreibaufgaben zum Thema, die wir uns gegenseitig vorstellen.

Auch wenn ich schon viele Schreibratgeber gelesen habe, hilft es mir, mich hier direkt mit anderen Schreibern auszutauschen.

Ich bin außerdem dem Forum „Tintenzirkel“ beigetreten, was ich ja schon lange vorhatte und bin sehr angetan von dem freundlichen Umgang, dem regen Austausch und der Kreativität, der ich dort begegnet bin. Ich merke, dass es wirklich gut war endlich den Schritt zu gehen, nicht nur im stillen Kämmerlein vor mich hinzuschreiben, sondern den Austausch mit anderen zu suchen.

Ich komme im Moment auch wieder mehr zum Lesen, was meiner Motivation selbst zu schreiben immer guttut. Allerdings merke ich, dass es mir im Moment schwerer fällt als sonst, mich mit schwereren Stoffen zu befassen. Ich brauche etwas, das mich möglichst von der ersten Seite an fesselt und spannend bleibt. Ich lese mit großer Begeisterung „Achilles“ von Madeline Miller, allerdings immer nur ein paar Seiten am Tag, weil ich jedes Wort mitbekommen will. Und meine Konzentration ist leider nicht die Beste. Außerdem habe ich heute „The Twisted Ones“ von T. Kingfisher angefangen und hoffe auf viel Spannung.

Natürlich ist es auch wichtig, für sich selbst einen Ausgleich gegen das Herumsitzen zu schaffen. Es fällt mir nicht leicht, mich gerade zum Yoga oder anderem Sport zu motivieren, aber ich gebe mein bestes und merke auch, dass es mir guttut, wenn ich mich alle paar Tage dazu aufraffen kann. Es zahlt sich im Moment aus, dass ich nahe am Wald wohne und weiterhin spazieren gehen kann, ohne kaum jemals einer Menschenseele zu begegnen.

woman meditating in bedroom
Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Als letztes habe ich auch festgestellt, dass es sich auszahlt, in irgendeiner Weise aktiv zu sein und dabei möglichst etwas zu erschaffen. Sei es das Malen mit Wasserfarben mal wieder auszuprobieren, etwas zu backen oder eine Blume einzupflanzen. Auch hier fällt es mir an manchen Tagen nicht leicht, mich dazu zu bewegen, weil die Lethargie einfach überhandnimmt, aber danach fühle ich mich immer etwas besser.

Mir hilft es dabei übrigens mir am Anfang des Tages kleine Checklisten zu erstellen, auf denen nicht nur steht, was ich erledigen muss, sondern auch Dinge, von denen ich weiß, dass sie mir Spaß machen werden oder dass ich mich danach besser fühle.

Auch an dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die im Moment zur Arbeit gehen, damit unsere Gesellschaft weiterhin funktionieren kann. Ganz besonders hoffe ich, dass diese Leistung auch langfristig Anerkennung findet, wenn diese Krise vorbei ist.

Wie geht es euch? Gibt es etwas, das euch hilft, mit der Situation besser umzugehen? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen und passt alle auf euch auf.

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