Ewig das Gleiche- Klischees in der Literatur

Natürlich läuft einem das Thema Klischees beim Schreiben und auch beim Lesen immer mal wieder über den Weg und man kann es gar nicht verhindern, sich damit auseinanderzusetzen. Klischees gibt es außerdem in allen möglichen Bereichen und leider ist es fast unmöglich, ihnen zu entkommen. Für mich ist der Begriff sehr negativ besetzt und ich kann ihnen auch wenig abgewinnen. Oft ist es sogar so, dass ich gar nicht erst anfange ein Buch zu lesen, wenn ich beim Klappentext das Gefühl habe, es könnten Klischees darin vorkommen. Leider verkauft sich altbewährtes oft sehr gut, was vermutlich erklärt, warum man immer und immer wieder auf die gleichen Rollenbilder oder plots stößt.

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Photo by Taryn Elliott on Pexels.com

Mir kommt es leider so vor, als seien Frauen in der Literatur ganz besonders oft von klischeehaften Darstellungen betroffen. Ein Beispiel, das mir sofort einfällt, ist die angeblich starke Heldin, die völlig unselbständig wird und am laufenden Band gerettet werden muss, sobald der Mann, in den sie sich verliebt auf der Bildfläche auftaucht. Genauso schlimm finde ich Frauen, die sich in Männer verlieben, die sie selbst und andere schlecht behandeln, weil in der Geschichte gezeigt werden soll, dass hier nur eine harte Schale geknackt werden muss, um den weichen Kern hervorzubringen. Diese Art der Darstellung finde ich sogar gefährlich, weil ein unrealistisches Bild von Menschen vermittelt wird, die sich komplett wandeln können, wenn sie nur den richtigen Partner finden, in den sie sich verlieben. Ich bin der Meinung, dass mit dieser Art der Darstellung sehr viel vorsichtiger umgegangen werden müsste.

Damit hört es noch nicht auf. Sehr oft begegnet mir auch die sexuell aktive Frau, die aber im Endeffekt doch psychische Probleme und Bindungsängste hat, oder den Richtigen einfach noch nicht gefunden hat. Die Vorstellung, dass eine Frau auch als Single oder mit wechselnden Partnern absolut erfüllt und glücklich sein kann, hat sich in Geschichten noch nicht durchgesetzt, obwohl ich in der Realität viele Frauen kenne, auf die genau das zutrifft. Leider begegnet einem auch die Idee, dass jede Frau sich insgeheim Kinder wünscht noch immer viel öfter als man denken sollte.

Weniger verwunderlich ist es vermutlich, dass auch andere Entwürfe des Zusammenlebens als die Standartfamilie mit Mutter, Vater und Kindern oder das klassische Heteropaar eher selten behandelt werden. Diese klassischen Modelle haben sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt und selbst in Romanen oder Filmen, wo ja sonst gerne auch mit anderen Arten der Realität experimentiert wird, finden sich wenig andere Beispiele. Man bekommt fast schon das Gefühl, als würde sich die Gesellschaft von anderen Arten der Darstellung bedroht fühlen.

Ganz automatisch ergeben sich aus diesen Klischees auch festgeschriebene Rollen für Männer, die man immer noch häufig findet. Der Mann als Ernährer und Beschützer seiner Familie ist ein immer wieder gern verwendetes Bild. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht nicht negativ, bei genauerem Hinsehen ist aber auch diese Art der Darstellung natürlich einschränkend. Männer, die aus irgendeinem Grund diese Rolle nicht erfüllen können oder wollen, werden als schwach angesehen und manchmal sogar zur Witzfigur degradiert.

Leider findet sich Diversität noch immer eher selten auf dem Buchmarkt und ich glaube, dass das auch unser Denken in eine bestimmte Richtung lenkt, nämlich dass uns das, dem wir immer begegnen auch als normal vorkommt, während alles andere fremd und dadurch ein wenig bedrohlich erscheint.

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Photo by Joshua Mcknight on Pexels.com

Ein weiteres Klischee, dem ich leider immer wieder begegne, betrifft die Darstellung von psychischen Krankheiten. Am häufigsten laufe ich diesem Thema über den Weg, wenn es darum geht, zu erklären, warum ein Mörder oder Verbrecher so handelt, wie er es tut. Und auch, wenn die Tatsache, dass jemand zum Beispiel Psychopath ist, natürlich als Erklärung herbeigezogen kann, wäre auch hier eine differenzierte Darstellung wünschenswert. Schließlich sind die meisten psychischen Krankheiten fast ausschließlich für den Betroffenen gefährlich und die Angst, die mit der negativen Darstellung geschürt wird, trägt dazu bei, dass manche Betroffene zögern, sich Hilfe zu suchen oder mit ihrer Krankheit offen umzugehen.

Insgesamt würde ich mir wünschen, dass Klischees einen weniger großen Raum in Büchern und Filmen einnehmen, auch wenn man es sich damit natürlich leicht macht. Um eine gute Geschichte zu erzählen lohnt es sich aber mit Sicherheit, mehr in die Tiefe zu gehen und sich um eine differenziertere Darstellung zu bemühen.

Wie seht ihr das? Seid ihr von Klischees in der Literatur genervt oder stören sie euch nicht?

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