Gegen die Leere im Kopf

Gerade wenn man eine neue Idee für eine Geschichte braucht, kommt es ja öfter vor, dass einem nichts einfällt, während man vor dem Rechner sitzt. Mir passiert das meist nicht dann, wenn ich mir einen plot für eine neue Geschichte ausdenken möchte, denn dann habe ich oft eher zu schnell zu viele Idee, so dass es mir schwer fällt, Struktur in das Chaos zu bringen. Aber wenn ich schon mitten in einer Geschichte stecke, oft so nach den ersten 10.000 Wörtern oder auch später, wenn ich zum Beispiel merke, dass eine Szene so wie ich sie mir ausgedacht habe nicht funktioniert, habe ich manchmal einfach ein Brett vorm Kopf.

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Natürlich hilft es, wenn ich mir vorherr einen groben Plan über den Verlauf der Geschichte gemacht hat, aber auch das ist keine Garantie dafür, dass man immer vorankommt, denn was sich in der Planung gut anhört, kann sich in der Umsetzung oft als nicht machbar herausstellen. Dann kann es passieren, dass ich mitten in einer Geschichte stecken bleibe, die sich eigentlich gut angelassen hat. Oder aber ich merke, dass ich noch eine gewisse Zeitspanne in der Geschichte überbrücken muss, bis das nächste Ereignis eintreten kann und es fehlt mir eine spannende oder interessante Eingebung. Und dann gibt es natürlich noch den Fall, dass ich die Methode des entdeckendes Schreiben verwende, also ganz ohne Plan schreibe und mir nach der Hälfte oder früher die Ideen ausgehen.

Zunächst einmal heißt es dann nicht in Panik verfallen, auch wenn es sich manchmal fast anfühlen kann als würde mir die Luft abgedreht, wenn ich das Gefühl habe diese Barriere nicht überwinden zu können. Wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass es vermutlich jedem Autor früher oder später mal so geht und ich möchte hier gerne ein paar Anstöße geben, die mir persönlich helfen, eine solche Ideenlosigkeit zu überwinden.

Für mich persönlich hat es sich sehr bewährt, spazieren zu gehen und zwar am besten im Wald und auf einem Weg auf dem ich möglichst wenig Menschen begegne. Ich habe einen bestimmten Pfad für mich gefunden, ganz in der Nähe meines Hauses, den ich am liebsten gehe, um über den plot einer Geschichte nachzudenken. Es stört mich überhaupt nicht, dass es sehr oft der gleiche Weg ist, den ich laufe, denn wenn ich über Handlungsstränge und Charaktere nachdenke, merke ich sehr oft noch nicht einmal wo ich mich befinde. Es hilft sogar, die Umgebung so gut zu kennen, dass man sich von ihr nicht mehr ablenken lässt.

Eine weitere gute Methode ist es, mit jemandem der sich ebenfalls für Geschichte interessiert über den Punkt zu reden, an dem man nicht weiter kommt. Natürlich muss man als Schreiber immer aufpassen, andere nicht dauernd mit den eigenen Schreibversuchen zu nerven, das ist mir bewusst. Deswegen sollte man diese Methode auch sparsam einsetzen, zumal sie oft erfordert, dass das Gegenüber sich eine Zusammenfassung der gesamten Handlung anhört. Wer einen oder sogar mehrere Menschen hat, die gerne mit ihm über die eigenen Werke reden, kann sich glücklich schätzen, denn sehr oft fällt es Außenstehenden viel leichter zu sehen, wohin sich eine Geschichte entwickeln könnte, weil sie nicht so in die Handlung verbissen sind und sehr viel entspannter und freier darüber nachdenken können als man selber. Ein Freund oder Bekannter, der mit einem Ideen abwägt und diskutiert ist mit das Beste was einem Schreiber meiner Meinung nach passieren kann.

Natürlich kann es auch helfen, etwas Abstand vom eigenen Werk zu nehmen und sich Inspiration zu holen, indem man sich an andere Geschichten erinnert, Bücher liest oder Filme guckt. Sehr oft fällt einem dabei etwas in die Hände, das einem eine neue Eingebung verschafft. Selbstverständlich meine ich damit nicht, dass man abschreiben sollte, aber die Gefahr ist auch nicht besonders groß, da man ja an einer eigenen Geschichte arbeitet. Aber natürlich kann es vorkommen, das ein Element, das ein anderer Autor verwendet sich als etwas erweist das in anderer Form auch in der eigenen Geschichte Verwendung finden könnte. Mir hilft es jedenfalls fast immer, wenn ich in der Zeit in der ich an einem eigenen Roman oder einer Geschichte arbeite, Bücher aus völlig anderen Genres lese, weil man dadurch auf völlig neue Gedanken kommt. Ganz besonders interessante Quellen sind für mich im übrigen Sachbücher.

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Anstatt Abstand vom eigenen Werk zu nehmen, kann man natürlich auch das genaue Gegenteil tun und sich gerade besonders intensiv damit auseinander zu setzen. Eine Frage die eigentlich immer weiterhilft ist: Was wäre das Schlimmste, das dem Protagonisten jetzt zustoßen könnte? Ich bin der Meinung, dass es nicht immer das Schlimmste sein muss, denn nicht jeder Roman möchte vor allem Spannung erzeugen und man läuft Gefahr, dass die Handlung eher zu einer Seifenoper passt, wenn man zu oft davon Gebrauch macht. Dennoch ist es mit Sicherheit eine Hilfe, sich manchmal vom Charakter leiten zu lassen und zu überlegen, was in dessen Leben passieren könnte, das Interesse beim Leser weckt. Dazu kann es helfen, sich den Charakter in verschiedenen Situationen vorzustellen, in Gedanken ein Gespräch mit ihm zu führen oder ihm einen Brief zu schreiben.

Einfach drauf los schreiben ist eine weitere Methode, die extrem hilfreich sein kann. Zur Abwechslung mal nicht darüber nachdenken, dass am Ende ein Roman mit einer sinnvollen Handlung stehen soll, sondern ganz frei das schreiben, was einem gerade in den Sinn kommt. Entweder über den Protagonisten des Romans oder auch über etwas vollkommen anderes. Manchmal merkt man dabei am besten, worüber man gerade gern schreiben würde und Szenen, die man gern schreibt, werden oft auch gut. Außerdem werden durch das freie oder assoziative Schreiben Ideen aus dem Unterbewusstsein frei gesetzt, die einem oft extrem weiter helfen könne.

Das allerwichtigste, was man immer im Hinterkopf haben sollte ist allerdings, dass es ganz natürlich ist, das einem mal die Ideen ausgehen und man das Gefühl hat, man steht vor einer Wand. Das ist kein Grund zu verzweifeln oder eine Geschichte aufzugeben. Oft heißt es sogar, dass man vor einem Durchbruch steht. Auf keinen Fall sollte man eine Geschichte zu schnell aufgeben, denn auch wenn etwas sehr verfahren wirkt, kann es immer passieren, dass einem eine einzelne Idee wieder auf die Sprünge hilft.

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