Nicht noch eine Lovestory bitte

In quasi jedem Schreibratgeber den ich bisher gelesen habe steht, dass es einer der einfachsten Wege um eine Geschichte spannender zu machen und den Leser zu fesseln, eine Liebesgeschichte einzubauen. Und das scheinen sich ja auch fast alle aas_image_2017_04Geschichtenerzähler zu Herzen zu nehmen, denn ganz egal ob man Shakespeare liest oder eine Telenovela schaut, ob man eine Comicverfilmung guckt oder einen Klassiker liest, eine Liebegeschichte zwischen Mann und Frau darf einfach nicht fehlen. Und meistens gibt es davon auch nicht nur eine und es werden alle möglichen Komplikationen eingebaut, um die Sache noch interessanter zu machen.

Und ich bin von diesem Thema einfach gesättigt. Ich habe das Gefühl, dass ich jede Variante einer heterosexuellen Liebesgeschichte bereits gelesen habe und im Endeffekt sind es doch immer wieder die gleichen Muster, die sich wiederholen. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber mittlerweile ist es schon so, dass ich manchmal innerlich aufstöhne, wenn ganz deutlich wird, dass sich da wieder etwas zwischen zwei Charakteren anbahnt.

Zum Teil liegt das an der oft unrealistischen Darstellung. Ich habe das Gefühl, dass inzwischen so viele Liebesgeschichten in Romanen erzählt wurden, dass die Autoren keine Wahl haben, als sich gegenseitig immer weiter darin zu überbieten, wie perfekt diese eine Liebe ist und wie sehr die zwei Menschen füreinander geschaffen sind. Zwar gibt es sehr oft die erwähnten anfänglichen Konflikte, aber wenn die beiden erstmal zueinander gefunden haben ist es so gut wie immer Friede Freude Eierkuchen. Vielleicht wäre es auch dröge, die alltäglichen Konflikte darzustellen, die Beziehungen in Wirklichkeit mit sich bringen, aber für mich wäre es einfach erfrischend, über eine Beziehung zu lesen, in der sich die Realität widerspiegelt und nicht irgendein Idel, das einem von einer Scheinwelt wie zum Beispiel Hollywood sowieso täglich vorgegaukelt wird.

Ich fände es auch wünschenswert, wenn nicht ganz so oft eine Liebesbeziehung in der Mitte einer Geschichte stünde. Es gibt so viele andere Arten von spannenden Beziehungen zwischen Menschen, die dahinter fast immer zurückstehen. Freundschaft natürlich, oder die Verwicklungen in einer Familie. Feindschaft und Seelenverwandtschaft. Gerade das Thema Freundschaft hat unter der überproportionalen Darstellung von lovestories meiner Meinung nach zu leiden, da man manchmal das Gefühl hat, eine tiefe und innige Freundschaft verwandelt sich fast automatisch immer in eine Liebesbeziehung und das finde ich schade. Außerdem braucht meiner Meinung nach nicht jede Geschichte eine lovestory. Wenn es zum Beispiel generell einen guten plot in einer Geschichte gibt, lenkt die Darstellung wie sich dann auch noch eine Beziehung zwischen zwei Charakteren entwickelt oft eher ab.

Was mich außerdem immer stört ist, dass Frauen in Geschichten oft ihre Individualität und für mich positiven Eigenschaften verlieren, wenn sie sich verlieben. Es müsste doch möglich sein, Frauen als gleichberechtigte oder sogar stärkere Partner darzustellen, aber es kommt viel zu oft vor, dass sie zu jemandem werden, der gerettet werden muss oder einfach viel mehr in die Beziehung investiert als der Mann. Ich finde diese Darstellung erschreckend und hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren verschiebt und die Partner als gleichberechtigt dargestellt werden.

Oft habe ich das Gefühl, dass eine Liebesgeschichte auch aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus eingeführt wird, weil man dadurch natürlich weitere Facetten des Charakters zu Gesicht bekommt, die man sonst sehr viel subtiler herausarbeiten müsste. Dazu kann ich sagen, dass für mich schon mancher Charakter zerstört wurde, weil er durch die Beziehung seine Individualität und Tiefe verlor.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen und auch ich habe Liebesgeschichten, die ich sehr gerne lese und es kommt auch immer wieder vor, dass ich mir selbst wünsche, zwei Charaktere könnten ein Paar werden oder überrascht davon bin, wie sehr mich eine Liebesszene berührt. Außerdem würde ich mir wünschen, dass alle Arten von homosexuellen und interkulturellen Beziehungen noch sehr viel mehr Raum in Film und Literatur finden könnten und wenn diese gut dargestellt sind, bereichern sie eine Geschichte für mich tatsächlich immer.

Wie siehst du das? Sind lovestories für dich die Quintessenz einer Geschichte oder könntest du auch mal darauf verzichten?

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